Der Sommer 2026 war für Westeuropa der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Der europäische Klimadienst Copernicus beziffert die mittlere Temperatur von Juni bis August auf 21,69 Grad Celsius, 2,54 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Der lange bestehende Rekord von 2003 ist damit überboten.
Für Europa insgesamt war es der drittwärmste Sommer der Messreihe. Der Rekord betrifft den Kontinent also nicht gleichmäßig, sondern vor allem den Westen. Auffällig war dort weniger ein einzelner Spitzenwert als die Dauer: Schon ab Ende Mai folgten mehrere Hitzewellen aufeinander, ungewöhnlich früh und ungewöhnlich beharrlich. Für Juni und Juli zusammen weist Copernicus 21,62 Grad aus, 2,79 Grad über dem Mittel und über dem bisherigen Rekord von 2022.
Getragen wurde die Lage von einer Omega-Blockade: Ein stabiles Hochdruckgebiet, flankiert von zwei Tiefs, bleibt tagelang an Ort und Stelle. Heiße, trockene Luft aus Nordafrika wird darunter festgehalten und kann nicht abziehen. Dazu war es in West- und Mitteleuropa deutlich trockener als üblich, sodass Hitze und Dürre sich gegenseitig verstärkten. Die Forschungsgruppe World Weather Attribution kommt für die Junihitze zu dem Schluss, dass sie ohne die menschengemachte Erwärmung praktisch unmöglich gewesen wäre.
Auf einen Blick
21,69 °C
Sommermittel Westeuropa
+2,54 °C
gegenüber 1991 bis 2020
2003
bisheriger Rekordsommer
Warum die Todeszahlen auseinandergehen
Kursierende Opferzahlen unterscheiden sich um ein Vielfaches. Das liegt nicht daran, dass jemand falsch rechnet, sondern daran, dass unterschiedliche Dinge gezählt werden. Hitzetote werden fast nie direkt erfasst; auf einem Totenschein steht in der Regel Herzversagen, Nierenversagen oder eine Lungenerkrankung. Ermittelt wird deshalb die Übersterblichkeit: Man vergleicht die tatsächlichen Sterbefälle eines Zeitraums mit dem statistisch erwarteten Wert und rechnet die Differenz der Hitze zu.
Hitzetote werden nicht gezählt, sondern geschätzt. Deshalb gibt es nicht eine Zahl, sondern mehrere.
— TerraTally · Klima-Desk
Je nach Methode, Zeitraum und einbezogenen Ländern entstehen sehr verschiedene Ergebnisse. Für Deutschland weist das Robert Koch-Institut für Mitte Mai bis Ende August eine Übersterblichkeit von rund 19.400 Fällen aus, mit einem Unsicherheitsbereich von 14.700 bis 23.700. Etwa 16.300 davon werden der Hitze zugeschrieben, allein rund 9.600 in der letzten Juniwoche. Das Statistische Bundesamt verzeichnete in eben dieser Woche 32 Prozent mehr Sterbefälle als im Mittel der vier Vorjahre. Europaweit meldete das Überwachungsnetz EuroMomo zwischen Mitte Juli und Mitte August über 32.000 Übersterbliche. Eine abschließende, begutachtete Gesamtzahl für den Sommer 2026 steht aus; für den Sommer 2024 kam eine solche Analyse auf rund 62.700 hitzebedingte Todesfälle in Europa.
Belastbar ist deshalb weniger eine einzelne Zahl als das Muster: Die Betroffenen sind überwiegend alt, häufig vorerkrankt, und sie sterben meist nicht auf der Straße, sondern in Wohnungen, die nachts nicht abkühlen. Die Hitze traf außerdem die Infrastruktur: Fahrbahnen und Gleise verzogen sich, Sperrungen und Zugausfälle folgten, Trockenheit und Hitze begünstigten Waldbrände.
Gegen kaum ein Wetterextrem ist so viel bekannt wie gegen Hitze, und das meiste davon ist einfach. Während einer Welle wirken Hitzeaktionspläne mit klaren Auslöseschwellen: Warnungen, aufsuchende Betreuung für allein lebende ältere Menschen, längere Öffnungszeiten kühler öffentlicher Räume, Trinkwasserstellen, angepasste Arbeitszeiten im Freien und auf zusätzliche Aufnahmen vorbereitete Kliniken. Frankreich hat solche Pläne nach dem Sommer 2003 eingeführt.
Am Gebäude entscheidet die Nacht. Kühlt eine Wohnung nicht mehr ab, fehlt die Erholungsphase, und genau daran sterben Menschen. Außen liegender Sonnenschutz wirkt deutlich besser als innen liegender, dazu kommen Querlüftung in den kühlen Stunden, helle Dächer und Fassaden sowie Dämmung, die im Sommer ebenso trägt wie im Winter. In der Stadt hilft, was Wärme gar nicht erst speichert: Bäume verschatten und kühlen durch Verdunstung, entsiegelte Flächen und Wasser nehmen Hitze aus dem Quartier, Frischluftschneisen führen nachts Kaltluft in die Innenstadt.
Bemerkenswert an dieser Liste ist, wie wenig davon Hochtechnologie ist. Der Unterschied zwischen einer überstandenen und einer tödlichen Hitzewelle liegt oft bei einem Rollladen außen statt innen, einem Anruf bei der Nachbarin im vierten Stock und einem Baum vor dem Fenster.
Stand der Zahlen: 15. September 2026. Übersterblichkeit wird modelliert und nachträglich revidiert.