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Rubrik · Klima

In dieser Stadt regnete es 14 Jahre lang nicht

Arica in Nordchile verzeichnete zwischen 1903 und 1918 keinen einzigen Regentag. Im Kern der Atacama gibt es Flächen ohne jeden Niederschlagsnachweis.

Zwischen Oktober 1903 und Januar 1918 fiel in Arica in Nordchile kein messbarer Regen. 172 Monate am Stück. Es ist die längste dokumentierte Trockenperiode einer bewohnten Stadt.

Arica liegt am Rand der Atacama, die sich über rund 1.000 Kilometer entlang der südamerikanischen Pazifikküste zieht. Im hyperariden Kern der Wüste gibt es Flächen, für die seit Beginn der Aufzeichnungen überhaupt kein Niederschlag dokumentiert ist. Die Wetterstation von Quillagua kam im Mittel auf einen halben Millimeter Regen pro Jahr. In Deutschland fallen je nach Region 500 bis 1.000 Millimeter.

Drei Mechanismen, die zusammenwirken

Solche Werte entstehen nicht dadurch, dass eine Region weit vom Meer entfernt liegt. Die Atacama liegt direkt an der Küste, von vielen Orten aus sieht man den Pazifik. Trocken wird sie durch drei Vorgänge, die ineinandergreifen.

Erstens der Regenschatten. Im Osten steigen die Anden auf. Feuchte Luft aus dem Amazonasbecken wird an ihnen zum Aufsteigen gezwungen, kühlt ab und regnet sich an der Ostflanke ab. Was auf der Westseite ankommt, ist bereits trocken.

Zweitens der kalte Humboldtstrom. Er führt kaltes Wasser an der Küste entlang nach Norden. Über kaltem Wasser verdunstet wenig, und die Luft darüber kühlt ab, statt aufzusteigen. Es bildet sich Nebel, der bis an die Hänge zieht, aber kaum eine Regenwolke.

Drittens der subtropische Hochdruckgürtel. In diesen Breiten sinkt Luft großräumig ab. Absinkende Luft erwärmt sich und kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, statt sie abzugeben. Wolkenbildung wird dadurch systematisch unterdrückt.

Jeder dieser Vorgänge für sich würde die Region trocken halten. Gemeinsam schließen sie die Atacama gegen jede Luft ab, die Regen bringen könnte: von Osten kommt keine Feuchtigkeit über die Anden, von Westen steigt sie über dem kalten Wasser nicht auf, und von oben drückt absinkende Luft alles nieder, was sich doch bildet.

Die Wüste liegt am Meer. Trocken ist sie trotzdem, oder gerade deshalb.

— TerraTally · Klima-Desk

In Zahlen

172

Monate ohne Regen (Arica)

0,5

mm Jahresniederschlag (Quillagua)

1.000

km Ausdehnung der Wüste

Leer ist die Atacama deshalb nicht. In ihr liegen Städte und Häfen, dazu einige der größten Kupferminen der Welt. Das Wasser dafür kommt aus Flüssen, die aus den Anden herabfließen, aus Grundwasser und aus Entsalzungsanlagen an der Küste, die Meerwasser aufbereiten. Wasser ist dort keine Nebensache der Planung, sondern die Bedingung dafür, dass in der Wüste überhaupt gearbeitet und gewohnt wird.

Dazu kommt eine Ressource, die anderswo keine wäre: Nebel. An manchen Orten werden Netze quer zum Hang aufgespannt. Der Nebel zieht hindurch, Tröpfchen setzen sich an den Maschen ab, laufen zusammen und tropfen in Behälter. Aus einer Luftfeuchtigkeit, die für Regen nicht reicht, wird auf diese Weise Trinkwasser.

Genau das macht die Atacama interessanter, als die Rekordzahlen vermuten lassen. Sie ist kein lebensfeindlicher Extremort, sondern einer, an dem Menschen gelernt haben, mit fast nichts auszukommen. Die Verfahren, die dabei entstanden sind, werden anderswo erst noch gebraucht.