Taipeh verwaltet Taiwan: die Hauptinsel, die Penghu-Inseln in der Straße, Kinmen und Matsu vor der festländischen Küste. Die Behörden führen den Namen Republik China. Die Regierung in Peking betrachtet dasselbe Gebiet als Teil der Volksrepublik und hat es nicht verwaltet. Die Taiwanstraße ist dazwischen Wasser und politische Grenze zugleich. Sie entscheidet den Streit nicht.
23 317 031 Menschen leben auf 36 193 Quadratkilometern, ohne Landnachbarn. Die Hauptstadt Taipeh steht im Norden der Hauptinsel. Die Länderdaten führen Chinesisch (Mandarin) als Amtssprache. Im Alltag werden daneben Taiwanesisch, Hakka und austronesische Sprachen der indigenen Völker gesprochen. Geschrieben wird mit den traditionellen Zeichen. Die Währung ist der Neue Taiwan-Dollar. All das ist die praktische Staatlichkeit einer Insel, über deren völkerrechtliche Einordnung die Regierungen uneins bleiben.
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Taiwan auf einen Blick
Hauptstadt
Taipeh
Fläche
36 193 km²
Einwohner
23,3 Millionen
Amtssprache(n)
Chinesisch (Mandarin)
Währung
Neuer Taiwan-Dollar
Kontinent
Asien
Besonderheit
Selbstverwaltung über die Straße hinweg
Taipeh verwaltet, Peking beansprucht
1949 verlegte die Regierung der Republik China ihren Sitz nach Taipeh, nachdem sie den Bürgerkrieg auf dem Festland verloren hatte. Die Volksrepublik entstand im selben Jahr dort und hat die Insel seither nicht verwaltet. Sie beansprucht sie. Die Behörden in Taipeh üben Gesetzgebung, Steuern, Wehrpflicht und Wahlen auf dem Gebiet aus, das sie halten. Die Regierung in China nennt dieses Gebiet das ihre. Beide Sätze sind politische Positionen mit Macht hinter sich. Keiner von beiden wird dadurch wahr, dass man den anderen verschweigt.
Die meisten Staaten unterhalten förmliche Beziehungen zu Peking und praktische zu Taipeh. Die Zahl der Staaten mit diplomatischer Anerkennung Taipehs ist klein und ändert sich. Der Handel richtet sich nicht nach dieser Zahl. Wer Taiwan nur als Provinz beschreibt, beschreibt die Position Pekings und nicht die Verwaltung, die auf der Insel Steuern einzieht. Wer es nur als erledigten Staat beschreibt, beschreibt eine Anerkennung, die der Großteil der Staaten förmlich nicht ausspricht. Die ehrliche Karte zeigt beides: eine arbeitende Verwaltung und einen unerledigten Anspruch.
Eine Insel mit eigener Kasse
Der Neue Taiwan-Dollar wird von der Zentralbank der Republik China (Taiwan) ausgegeben. Er ist nicht der Renminbi des Festlands. Eine eigene Währung ist hier kein Schmuck der Souveränität, sondern der Alltag: Löhne, Mieten, der Preis der Elektronik, die auf der Insel gefertigt wird. In Hsinchu steht eine Auftragsfertigung von Chips, die den Inselhaushalt mit der Weltindustrie verbindet. Wie groß der Anteil ist, steht hier nicht. Dass die Fabrik in einem Gebiet steht, über dessen Status die Staaten uneins sind, gehört zur politischen Geographie.
Mandarin ist die Sprache von Schule und Amt. Taiwanesisch, Hakka und die Sprachen der indigenen Völker sind nicht Folklore am Rand, sondern die Rede von Orten, die älter sind als die Verwaltung von 1949. Die traditionellen Schriftzeichen trennen ein Schild in Taipeh von einem Schild auf dem Festland, auch wenn die gesprochene Hochsprache verwandt ist. Die Kasse und die Schrift sind lesbare Grenzen. Sie ersetzen nicht die fehlende Einigkeit darüber, welcher Staat diese Insel völkerrechtlich ist.
Taipeh zieht die Steuern ein und gibt das Geld aus. Peking spricht den Anspruch aus. Die Straße dazwischen ist kein Schiedsspruch.
— TerraTally · Länder-Desk
Die Straße als politische Distanz
Die Taiwanstraße trennt die Hauptinsel vom Festland. An Kinmen ist diese Trennung besonders gering: Die Inseln liegen unmittelbar vor der festländischen Küste, während Taipeh im Norden der großen Insel steht. Matsu liegt ebenfalls vor dieser Küste, Penghu in der Straße selbst. Die Verwaltung Taipehs ist also nicht nur die eine große Insel. Sie ist ein Bogen von Orten, deren nächste Nachbarschaft das Festland ist und deren Hauptstadt dennoch Taipeh heißt. Eine Kilometerzahl würde diesen Bogen nicht ruhiger machen.
Die Menschen auf der Insel wählen, zahlen und produzieren unter einer Verwaltung, die Peking nicht einsetzt. Peking gibt den Anspruch nicht auf. Die Staaten dazwischen handeln mit beiden und erkennen förmlich meist nur eines an. Auf dem Kai von Taipeh gilt der Neue Taiwan-Dollar, und die Straße bleibt das Wasser, das die Erklärungen nicht überbrückt haben.
Taiwan hat eine Hauptstadt, eine Währung und eine Verwaltung, die den Alltag trägt. Peking hat einen Anspruch, den es nicht durch Verwaltung auf der Insel einlöst. Die Taiwanstraße liegt dazwischen. Sie ist schmal genug für die Politik und breit genug, dass aus dem Anspruch noch keine Behörde in Taipeh geworden ist.