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Rubrik · Länder

Amtlich Französisch und Englisch, regiert aus dem Binnenland

Französisch und Englisch sind gleichermaßen Amtssprache. Regiert wird aus Yaoundé, im Binnenland, nicht aus dem Hafen.

Kamerun hat zwei Amtssprachen und behandelt sie als gleichrangig: Französisch und Englisch. Die Hauptstadt steht trotzdem nicht in beiden Traditionen zugleich auf der Karte. Sie steht in Yaoundé, im Binnenland, fern vom Hafen Douala.

Das Land reicht vom Golf von Guinea bis an den Tschadsee. Es grenzt an Nigeria, den Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Gabun und Äquatorialguinea. Auf 475 442 Quadratkilometern leben 29 879 337 Menschen. Die Verfassung nennt einen Einheitsstaat, keine Föderation. Die beiden Sprachen kommen aus zwei Kolonialgeschichten, aus Frankreich und aus dem Vereinigten Königreich. Der Staat hat sie beide behalten und die Hauptstadt nach innen gelegt.

Kamerun auf einen Blick

Hauptstadt

Yaoundé

Fläche

475 442 km²

Einwohner

29,9 Millionen

Amtssprache(n)

Französisch, Englisch

Währung

Zentralafrikanischer CFA-Franc

Kontinent

Afrika

Besonderheit

Amtlich Französisch und Englisch

Zwei Sprachen, ein Einheitsstaat

Die Verfassung setzt Französisch und Englisch als Amtssprachen mit demselben Status. Das ist das Ergebnis von 1961, als das britische Süd-Kamerun sich der Republik Kamerun anschloss. Das britische Nord-Kamerun kam im selben Jahr zu Nigeria. Im heutigen Staat leben deshalb nicht zwei gleich große Sprachhälften. Es lebt eine französisch geprägte Mehrheit und ein englisch geprägter Westen, die Regionen Nordwest und Südwest, mit eigener Schul- und Rechtstradition aus der britischen Verwaltung.

Der Staat ist heute ein Einheitsstaat. Die Gleichrangigkeit der Sprachen steht in der Verfassung, die politische Form ist trotzdem nicht föderal. In den Regionen Nordwest und Südwest ist aus der Frage, welchen Platz Englisch und das dortige Recht im Einheitsstaat haben, ein bewaffneter Konflikt geworden. Die Vereinten Nationen berichten darüber. Opferzahlen gehören nicht in diesen Satz. Der Satz ist ein anderer: Zwei Amtssprachen beschreiben Kamerun. Sie haben den Streit um das Englische im Westen nicht beendet.

Yaoundé, nicht der Hafen

Douala ist der Hafen am Atlantik, die Stadt der Schiffe und des Handels. Yaoundé ist die Hauptstadt, im Binnenland, auf dem Plateau. Der Staat hat die politische Mitte nicht an die Küste gelegt, an der das Land sich zum Golf von Guinea öffnet. Ähnlich wie andere Hauptstädte, die dem Hafen ausweichen, trennt Yaoundé die Entscheidung vom Kai. Der Unterschied ist die Sprache: Der Hafen und die Hauptstadt liegen beide im französischsprachigen Teil. Der englischsprachige Westen hat weder Douala noch Yaoundé.

Der zentralafrikanische CFA-Franc, ausgegeben von der Banque des États de l'Afrique Centrale, ist die Währung des ganzen Gebiets, im Hafen wie in Yaoundé und in den englischsprachigen Regionen. Es ist nicht derselbe Franc wie der westafrikanische. Die Münze einigt das Land nicht sprachlich. Sie einigt es kassentechnisch. Wer in Douala bezahlt und wer in Bamenda bezahlt, benutzt dasselbe Geld und nicht dieselbe Amtssprache des Alltags. Die Verfassung sagt, beide Sprachen seien gleich. Die Karte der Städte sagt, wo die Institutionen sitzen.

Zwei Amtssprachen beschreiben den Staat. Sie beenden den Streit um das Englische nicht.

— TerraTally · Länder-Desk

Vom Golf von Guinea bis zum Tschadsee

Im Südwesten liegt die Atlantikküste, im Norden das Ufer des Tschadsees. Dazwischen Wald, Hochland und die trockeneren Ebenen am Rand der Sahelzone. Nigeria ist der große Nachbar im Westen, der Tschad der Nachbar am See, die Zentralafrikanische Republik und die Republik Kongo liegen im Osten und Südosten, Gabun und Äquatorialguinea im Süden. Ein Staat, der Küste und Seeufer zugleich hat, ist lang. Die Hauptstadt in der Mitte ist die Antwort auf diese Länge, nicht ein Zufall der Kolonialkarte allein.

Die Länge macht die Sprachen nicht zu einer Folklore der Küste. Englisch sitzt im Westen, an der Grenze zu Nigeria, nicht als Küstenlaune und nicht als Hauptstadtsprache. Französisch sitzt in Yaoundé, in Douala und im größeren Rest. Der Einheitsstaat beansprucht beide und regiert von einem Ort aus, der nur eine der beiden Alltagssprachen um sich hat. Kamerun ist deshalb weder ein Hafenstaat mit einer Sprache noch ein Binnenstaat mit einer Hauptstadt aus Verlegenheit. Es ist ein langes Land mit zwei Amtssprachen und einer Hauptstadt, die den Hafen nicht sein wollte.

Kamerun lesen heißt, Yaoundé und Douala auseinanderzuhalten und den Westen nicht zu vergessen. Französisch und Englisch sind amtlich gleich. Die Institutionen sitzen im Binnenland, der Hafen an der Küste, der Streit im Nordwesten und im Südwesten. Vom Tschadsee bis zum Golf ist das ein Staat, und er ist keiner mit einer einzigen Sprache.