Auf der Karte sieht Vanuatu aus wie ein aufgeschlagenes Y im Südpazifik. Die Inseln berühren einander nicht. Zum Staat werden sie durch Bislama, eine Sprache, die weder Großbritannien noch Frankreich mitgebracht hat, sondern die zwischen den beiden Verwaltungen auf den Inseln selbst entstanden ist.
Port Vila steht auf Efate, im südlichen Arm dieses Bogens, nicht auf der großen Insel im Norden und nicht in einer Mitte, die es nicht gibt. 335 169 Menschen leben auf 12 189 Quadratkilometern Land. Was dazwischen liegt, ist Meer, und das Meer steht in der Fläche nicht. Eine Landgrenze hat der Staat nicht. Er hat Häfen, Landebahnen und eine Sprache für den Weg dazwischen.
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Vanuatu auf einen Blick
Hauptstadt
Port Vila
Fläche
12 189 km²
Einwohner
335 169
Amtssprache(n)
Bislama, Englisch, Französisch
Währung
Vatu
Kontinent
Ozeanien
Besonderheit
Bislama als Sprache des Staates
Eine Sprache zwischen zwei Verwaltungen
Die Neuen Hebriden waren kein gewöhnliches Kolonialgebiet mit einer Flagge. Großbritannien und Frankreich verwalteten dieselben Inseln nebeneinander, mit eigenen Gerichten, eigenen Schulen und eigener Polizei. Wer die britische Schule besuchte, lernte Englisch. Wer die französische besuchte, lernte Französisch. Zwischen den Schaltern brauchten die Menschen eine Rede, die keiner der beiden Gouverneure als sein Eigentum nehmen konnte. Bislama ist aus diesem Alltag entstanden, ein Verkehrsidiom mit englischem Grund, französischen Brocken und ozeanischen Wörtern.
Die Unabhängigkeit von 1980 hat diese Ordnung nicht bereinigt, indem sie eine der Kolonialsprachen gestrichen hätte. Die Verfassung macht Bislama zur nationalen Sprache und lässt Englisch und Französisch daneben als Amtssprachen stehen. Auf den Inseln werden außerdem viele indigene Sprachen gesprochen, von Küste zu Küste verschieden. Sie sind der Grund, warum eine gemeinsame Rede überhaupt nötig wurde. Bislama ersetzt sie nicht im Dorf. Es ist die Sprache, in der ein Amt in Port Vila und ein Markt auf einer äußeren Insel denselben Staat meinen können.
Port Vila regiert einen Bogen
Efate ist nicht die Mitte des Landes. Espiritu Santo im Norden trägt Luganville und einen langen Hafen. Tanna im Süden lebt mit dem Vulkan Yasur, dessen Asche zum Alltag der Insel gehört. Wer von Port Vila aus regiert, regiert über Wasser. Eine Straße endet an der Brandung. Ein Beschluss der Hauptstadt erreicht eine äußere Insel per Schiff oder Flugzeug, oder er erreicht sie spät. Das ist die gewöhnliche Form dieses Staates, kein Sonderfall für abgelegene Posten.
Deshalb täuscht die gezählte Bodenfläche. Sie addiert das feste Land und verschweigt die Abstände, die den Staat eigentlich ausmachen. Die Menschen wohnen auf Küstensäumen, in Gärten und in einer Hauptstadt, die Hafen und Verwaltung zusammenzieht. Port Vila ist Hauptstadt, weil dort die Schiffe anlegen und die Ämter stehen, nicht weil Efate der Schwerpunkt des Bogens wäre. Der Schwerpunkt ist das Wasser. Wer nur die Quadratkilometer liest, liest ein kompaktes Land. Wer die Fähre nimmt, liest den Staat.
Bislama ist keine Höflichkeit gegenüber der Kolonialzeit. Es ist die Sprache, ohne die der Inselbogen kein gemeinsames Gespräch hätte.
— TerraTally · Länder-Desk
Der Vatu gehört den Inseln
Die Währung heißt Vatu und wird von der Reserve Bank of Vanuatu ausgegeben. Sie ist kein Franc und kein Pfund. Das ist dieselbe Entscheidung wie bei der Sprache, nur in der Kasse: Der Staat, der 1980 aus dem Kondominium getreten ist, sollte nicht im Geld einer der beiden früheren Mächte weiterleben. Auf einem Inselstaat mit wenig Boden ist das keine Symbolfrage am Rand. Wer die Währung setzt, setzt den Preis für die Kopra, für den Markt und für den Lohn im Hafen.
Fremdes Geld kommt trotzdem nach Port Vila, über Schiffe, Hilfsämter und Besucher. Die Dörfer auf den äußeren Inseln bleiben in einem anderen Takt, mit Gärten, Booten und Verwandtschaft, die über mehrere Inseln reicht. Bislama ist in beiden Takten zu hören, im Ministerium und auf dem Markt. Wer Vanuatu als Südseebild erzählt, sieht die Küste und nicht die Verfassung. Der Staat ist aus einer doppelten Kolonialverwaltung entstanden und hat sich eine eigene Sprache und eine eigene Münze gegeben, weil die Inseln sonst nur nebeneinander gelegen hätten.
Vanuatu ist auf der Schulkarte ein Bogen und im Inneren eine Sprachgemeinschaft mit Hafenhauptstadt. Port Vila hält die Ämter. Bislama hält die Inseln im Gespräch. Der Vatu sagt, dass beides nicht mehr London oder Paris gehört.