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Rubrik · Länder

Togo ist der schmale Rest einer geteilten Kolonie

Lomé liegt an der Grenze zu Ghana. Das Land ist ein Korridor vom Golf von Guinea nach Norden, übrig aus der Teilung Togos.

Lomé berührt die Grenze zu Ghana. Für eine Hauptstadt ist das die Lage des Landes, nicht ein Rand. Togo ist ein schmaler Korridor vom Golf von Guinea nach Norden bis Burkina Faso, eingeklemmt zwischen Ghana und Benin. Diese Form ist der Rest einer Kolonie, die nach dem Ersten Weltkrieg geteilt wurde.

Im Süden liegt die Küste mit Lomé, dem Hafen und dem Markt, der bis an den ghanaischen Schlagbaum reicht. Dahinter steigt das Land über Hügel ins Innere, nach Atakpamé und Sokodé, und endet im Norden an der Savanne Burkina Fasos. Nach Osten liegt Benin, das früher Dahomey hieß und unter französischer Herrschaft stand. Nach Westen liegt Ghana, das den britischen Teil des alten Togoland aufnahm. Auf 56 785 Quadratkilometern leben 8 591 626 Menschen. Von Ost nach West ist wenig Platz. Von Süd nach Nord ist das ganze Land eine Strecke.

Togo auf einen Blick

Hauptstadt

Lomé

Fläche

56 785 km²

Einwohner

8,6 Millionen

Amtssprache(n)

Französisch

Währung

Franc CFA

Kontinent

Afrika

Besonderheit

Schmaler Streifen vom Golf bis zur Savanne

Ein Korridor, keine Fläche

Wer Togo auf der Karte sucht, findet einen Streifen, keine kompakte Masse. Die Hauptstadt sitzt am südwestlichen Ende dieses Streifens, dort, wo die Küste auf die Grenze trifft. Der Hafen von Lomé bedient damit nicht ein weites eigenes Hinterland nach Westen. Der Westen ist schon Ghana. Das Hinterland liegt im Norden, auf einer Achse von Straßen und Städten, die das Land der Länge nach ordnen. Regieren heißt hier, eine Linie zu halten, nicht eine Ebene zu füllen.

Die Enge hat Folgen für jeden Nachbarn. Ein Streit an der ghanaischen Grenze ist ein Streit an der Hauptstadt. Ein Streit mit Benin ist ein Streit an der anderen Längsseite, nicht an einer fernen Ecke. Burkina Faso berührt nur das nördliche Ende. Togo kann sich nicht in die Tiefe eines Kontinents zurückziehen. Es ist die Tiefe, von der Küste bis zur Savanne, und diese Tiefe ist schmal. Die Fläche von 56 785 Quadratkilometern sagt das nur, wenn man die Form dazusieht.

Die Teilung, die das Land schmal ließ

Bis zum Ersten Weltkrieg war Togoland eine deutsche Kolonie, ein Zugang vom Golf ins Innere zwischen dem britischen Einfluss im Westen und dem französischen im Osten. Danach teilte der Völkerbund das Gebiet in ein britisches und ein französisches Mandat. 1956 entschied eine Volksabstimmung im britischen Treuhandgebiet den Anschluss an die Goldküste, die zu Ghana wurde. Der französische Teil wurde am 27. April 1960 als Republik Togo unabhängig. Die heutige Grenze zu Ghana ist diese Schnittlinie, keine alte Kulturgrenze, die zufällig an Lomé endet.

Deshalb sitzt die Hauptstadt am Schnitt. Lomé war der Ort der französischen Verwaltung an der Küste, direkt neben dem Gebiet, das an Ghana ging. Der Markt wuchs an dieser Naht, nicht in einer geschützten Mitte. Wer heute die Grenze überquert, wechselt Land, Währung und Amtssprache auf wenigen Schritten: vom Franc CFA und vom Französischen in das Englische Ghanas. Die Kolonialteilung ist in der Stadt noch eine Wegbeschreibung.

Die Grenze zu Ghana beginnt am Hafen. So schmal ist das Land.

— TerraTally · Länder-Desk

Französisch und der Franc der Union

Amtssprache ist Französisch, die Sprache des Mandats, das zum Staat wurde. Im Süden ist Ewe verbreitet, im Norden Kabiyé, dazu weitere Sprachen der Straße und des Dorfes. Die Verfassung macht sie nicht zu Amtssprachen. Sie macht Französisch zur Sprache der Gesetze und fördert die anderen als Sprachen des Landes. Wer von Lomé nach Sokodé fährt, wechselt den Alltag der Sprache und bleibt im selben Amtsfranzösisch. Der schmale Staat ist sprachlich nicht schmal.

Gezahlt wird im Franc CFA, dem Geld der westafrikanischen Währungsunion, ausgegeben von der BCEAO, nicht in einer Währung, die nur in Lomé gilt. Togo teilt dieses Geld mit Benin und anderen Staaten der Union. Ghana auf der anderen Seite der Schlagbäume tut das nicht. Die Grenze ist damit auch eine Kassengrenze. Der schmale Rest der deutschen Kolonie hängt am französischen Sprach- und Währungsraum, während die Hauptstadt physisch am englischsprachigen Nachbarn klebt. Beides zusammen ist Togo: ein Korridor, dessen Form die Teilung erklärt und dessen Geld die andere Hälfte der Kolonialgeschichte erklärt.

Togo ist zu Ende erzählt, wenn Lomé an der ghanaischen Grenze steht und der Norden trotzdem zum selben Staat gehört. Der Streifen ist kein Versehen der Zeichnung. Er ist die Schnittlinie von 1956 und die Unabhängigkeit von 1960, übereinander gelegt.