Panda mit Erdkugel — Logo von TerraTallyTerraTally

Rubrik · Länder

Juba liegt am Nil, das politische Gewicht Südsudans liegt woanders

Juba liegt am Weißen Nil. Öl nahe der Nordgrenze und Rinderherden im Grasland entscheiden mit über einen jungen Staat.

Südsudan ist seit 2011 ein eigener Staat, mit Juba als Hauptstadt am Weißen Nil. Der Fluss erklärt den Sitz. Er erklärt nicht, worüber in diesem Staat gestritten wird. Öl liegt weiter nördlich, nahe der Grenze zum Sudan. Die politischen Gemeinschaften des Graslands messen Macht an Herden, nicht an der Skyline einer Hauptstadt.

12 188 788 Menschen leben auf 619 745 Quadratkilometern. Das Land grenzt an den Sudan, Äthiopien, Kenia, Uganda, die Demokratische Republik Kongo und die Zentralafrikanische Republik. Es hat keinen Meereszugang. Was es an die Welt bindet, sind der Nil nach Norden, die Straßen und Pipelines in Richtung der Nachbarn und die Erinnerung daran, dass die Grenzen dieses Staates älter sind als seine Unabhängigkeit. Juba ist jung als Hauptstadt einer Republik und alt als Ort am Fluss.

Südsudan auf einen Blick

Hauptstadt

Juba

Fläche

619 745 km²

Einwohner

12,2 Millionen

Amtssprache(n)

Englisch

Währung

Südsudanesisches Pfund

Kontinent

Afrika

Besonderheit

Nilhauptstadt, deren Staat von Öl im Norden und Herden im Gras mitbestimmt wird

Eine Hauptstadt am Bahr al-Dschabal

Juba liegt am Bahr al-Dschabal, dem Bergnil, der hier der Weiße Nil ist, bevor er sich weiter nördlich mit anderen Armen trifft. Die Stadt sitzt im Süden des Landes, näher an Uganda als an den Ölfeldern. Das hat einen praktischen Grund. In den Jahren des gemeinsamen Sudan war der Süden von Khartum aus regiert und oft gegen Khartum gerichtet. Ein Sitz am Fluss, mit Straßen nach Ostafrika, war ein Gegenpol zur alten Hauptstadt. Unabhängigkeit hat diesen Sitz bestätigt, nicht neu erfunden.

Die Übergangsverfassung macht Englisch zur Amtssprache. Das ist eine politische Entscheidung gegen die arabische Dominanz des alten Staates, nicht eine Beschreibung dessen, was auf den Märkten von Juba ausschließlich gesprochen wird. Juba-Arabisch, Bari und die Sprachen der Zugezogenen sind der Straßenlärm. Englisch ist die Sprache der Gesetze, der Ministerien und der Verhandlungen mit der Welt. Ein junger Staat leiht sich eine Amtssprache, weil keine einzelne lokale Sprache das ganze Gebiet trägt, ohne andere zu übergehen.

Öl im Norden, Herden im Gras

Die Erdölvorkommen, auf die der Staatshaushalt angewiesen ist, liegen im Norden, in der Nähe der Grenze zum Sudan. Der Exportweg führte historisch durch sudanesisches Gebiet zum Roten Meer. Damit sitzt der Reichtum des jungen Staates an der Naht zu dem Land, von dem er sich getrennt hat. Juba kann Verträge schließen. Es kann die Felder nicht in den Süden verlegen. Jede Spannung mit Khartum ist deshalb auch eine Spannung der Pipeline, nicht nur der Erinnerung.

Abseits der Felder ist das Land eine politische Geographie der Rinder. Dinka, Nuer und andere Gemeinschaften organisieren Status, Brautpreis und lokale Macht über Herden. Überschwemmungsgebiete des Nils, die Sudd-Sümpfe, Eisen die Bewegung und machen weite Teile des Inneren zu einem eigenen Raum, den eine Straße von Juba nur am Rand berührt. Bewaffnete Konflikte seit der Unabhängigkeit sind immer wieder entlang dieser Linien ausgebrochen: um Kommandos in der Hauptstadt und um Weide, Jugend und Waffen auf dem Land. Die Hauptstadt sieht die Krise. Sie ist nicht ihr einziger Ort.

Grenzen, die älter sind als der Staat

Die Linie zum Sudan folgt keiner Sprachgrenze und keinem plötzlichen Wechsel der Landschaft. Sie folgt einer politischen Scheidung, die 2011 völkerrechtlich wurde, nachdem der Süden sie sich erkämpft hatte. Westlich und südlich liegen Grenzen aus der Kolonialzeit, gezogen zwischen Imperien, nicht zwischen den Viehrouten der Gegenwart. Ein Hirte kann eine Linie kennen, die ein Ministerium in Juba als Staatsgrenze führt. Er kann sie dennoch als Weideweg behandeln, solange die Verwaltung dünn bleibt.

Das Südsudanesische Pfund ist das Geld dieses Staates, ausgegeben von der Bank of South Sudan. Es markiert die Trennung vom sudanesischen Pfund so deutlich wie die Flagge. Es schafft aber keine Häfen, keine zweite Hauptstadt und keine Brücke über den Sudd. Südsudan bleibt ein Nilstaat ohne Meer, dessen Hauptstadt den Fluss hält und dessen politische Risiken im Öl des Nordens und in den Herden des Graslands liegen. Juba ist der richtige Name. Er ist nicht die ganze Geographie.

Juba hält den Fluss. Das Öl hält die Kasse. Die Herden halten einen großen Teil der Politik.

— TerraTally · Länder-Desk

Südsudan lässt sich nicht von Juba aus zu Ende erzählen, auch wenn jede Liste dort beginnen muss. Der Staat von 2011 hat eine Hauptstadt am Nil, ein Englisch der Gesetze und ein Gewicht, das nördlich in den Feldern und mitten im Gras liegt. Die Grenze zum Sudan ist international. Die Geographie, die sie schneidet, war schon vorher da.