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Rubrik · Länder

Pretoria steht im Atlas, die Republik sitzt an mehreren Orten

Pretoria ist die Hauptstadt in der Tabelle. Parlament, Höchstgericht und Wirtschaft sitzen in anderen Städten, die das Land auseinanderhält.

Südafrika trägt im Atlas die Hauptstadt Pretoria. Die Republik, die dort Exekutive übt, tagt mit dem Parlament in Kapstadt, lässt den Obersten Berufungsgerichtshof in Bloemfontein sitzen und das Verfassungsgericht in Johannesburg. Eine Hauptstadt wäre für dieses Land eine zu kleine Behauptung.

64 747 319 Menschen leben auf 1 221 037 Quadratkilometern, zwischen Atlantik, Indischem Ozean und einer Binnengrenze, die Lesotho vollständig umschließt. Namibia, Botsuana, Simbabwe, Mosambik und Eswatini sind die weiteren Nachbarn. Die Apartheid hat Wohnen, Arbeit und Sprache räumlich getrennt. Die Verfassung hebt die rechtliche Trennung auf und lässt die Sitze des Staates dennoch verteilt. Pretoria ist die korrekte Zeile in der Tabelle und zugleich nur ein Ort unter mehreren.

Südafrika auf einen Blick

Hauptstadt

Pretoria

Fläche

1 221 037 km²

Einwohner

64,7 Millionen

Amtssprache(n)

Zulu, Xhosa, Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, Nord-Sotho, Sotho, Swazi, Tswana, Tsonga, Venda

Währung

Rand

Kontinent

Afrika

Besonderheit

Exekutive in Pretoria, Parlament am Kap, Gerichte an weiteren Sitzen

Mehrere Sitze, eine Republik

Pretoria, im Gemeindegebiet von Tshwane, ist der Sitz der Regierung. Die Union Buildings schauen über die Stadt, die einst die Burenrepublik Transvaal verwaltete und später die zentrale Bürokratie der Union und der Republik. Wer einen Minister sucht, sucht ihn hier eher als am Hafen. Kapstadt hält das Parlament. Die legislative Hauptstadt liegt am Fuß des Tafelbergs, einen langen Reiseweg vom Highveld entfernt. Das ist unbequem und gewollt: Küste und Binnenhochland sollen sich die Staatsgewalt nicht allein nehmen.

Bloemfontein im Freistaat beherbergt den Obersten Berufungsgerichtshof. Das Verfassungsgericht, das über die neue Ordnung wacht, sitzt nicht dort, sondern auf Constitution Hill in Johannesburg. Die Schulformel von den drei Hauptstädten ist deshalb fast richtig und doch ungenau. Die Justiz selbst ist geteilt, zwischen Berufung im alten gerichtlichen Sitz und Verfassungsrechtsprechung in der Stadt, die das wirtschaftliche Herz des Landes ist. Pretoria bleibt der Name, den Listen führen. Der Staat hat sich geweigert, in diesem Namen aufzugehen.

Pretoria ist die richtige Zeile im Atlas. Die Republik hat sich geweigert, nur aus dieser Zeile zu bestehen.

— TerraTally · Länder-Desk

Das Riff und die Küste

Johannesburg liegt nicht am Meer und ist keine Hauptstadt. Es liegt auf dem Witwatersrand, dem Goldriff, das die moderne Wirtschaft des Landes und die Arbeitsmigration des südlichen Afrika geformt hat. Gauteng ist klein auf der Karte und dicht im Leben: Bergbau folgte Industrie, Industrie folgten Finanzplätze, Townships und Vororte. Wer Südafrika nur von Pretoria aus erzählt, erzählt die Verwaltung. Wer es nur vom Waterfront-Quai in Kapstadt erzählt, erzählt den Blick auf den Atlantik. Das Land entscheidet sich zwischen Riff, Hafen und Regierungsviertel.

Durban am Indischen Ozean ist der große Umschlaghafen, die Garden Route und die Ostkap-Küste sind andere Welten als die Kalahari-Randzone oder die Drakensberge. Lesotho liegt als eigenes Königreich mitten in dieser Fläche, Eswatini teilt sich Grenzen mit Südafrika und Mosambik. Die Republik ist also nicht nur groß. Sie ist durchlöchert von einem Nachbarstaat und wirtschaftlich gezogen von einem Riff, das keine der Hauptstadtfunktionen allein besitzt. Die Verteilung der Sitze folgt dieser Weigerung, einen einzigen Mittelpunkt zu krönen.

Sprachen, die der Staat nicht mehr sortiert

Die Verfassung nennt Zulu, Xhosa, Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, Nord-Sotho, Sotho, Swazi, Tswana, Tsonga und Venda als Amtssprachen. Das ist keine Folklore am Rand der Verwaltung. Es ist die Antwort auf eine Geschichte, in der Sprache Herrschaftsmittel war: Afrikaans und Englisch in Amt und Schule, die anderen Sprachen in den Reservaten der Apartheid. Englisch bleibt die praktische Brücke in Gerichten, Konzernen und Städten. Zulu und Xhosa tragen große Sprachgemeinschaften. Afrikaans bleibt die Sprache eines Teils der Städte, der Farmen und des Kaps.

Der Rand, den die South African Reserve Bank ausgibt, ist das gemeinsame Geld dieser vielsprachigen Ordnung. Er macht aus Minen, Häfen und Pensionskassen einen Markt. Er macht aus den Sitzen in Pretoria, Kapstadt, Bloemfontein und Johannesburg keine einzige Stadt. Südafrika ist regierbar, weil es akzeptiert, dass der Staat mehrere Adressen hat. Die Tabelle darf Pretoria sagen. Der Essay muss die anderen Adressen mitsagen.

Pretoria bleibt die Hauptstadt, die man einträgt. Die Republik bleibt ein Land, dessen Regierung, Parlament, Gerichte und Wirtschaft sich die Karte teilen. Wer nur eine Stadt nennt, beschreibt eine Liste. Wer die Sitze nennt, beschreibt Südafrika.