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Rubrik · Länder

Schweden wird von einer Schärenhauptstadt aus nach Norden regiert

Stockholm liegt im Schärengarten an der Ostsee. Der Staat wird dort gemacht und muss dennoch einen langen Norden mitregieren, der anders lebt.

Schweden sieht auf der Karte aus wie ein geschlossener skandinavischer Block. In Wirklichkeit ist es ein langes Land, dessen Staat in Stockholm gemacht wird, auf Inseln zwischen Mälarsee und Ostsee. Der Norden, Norrland, ist Wald, Erz, Fluss und samisches Land. Er wird von einer Hauptstadt mitregiert, die klimatisch und politisch woanders liegt.

10 596 620 Menschen leben auf 450 295 Quadratkilometern. Norwegen liegt westlich der langen Gebirgsgrenze, Finnland östlich, dazwischen der hohe Norden. Im Süden trennt der Öresund Schweden von Dänemark, im Westen öffnet sich bei Göteborg das Kattegat. Schwedisch ist die Amtssprache, die Krone der Riksbank das Geld. Die Menschen und die Entscheidungen sitzen überwiegend im Süden. Die Fläche sitzt überwiegend im Norden. Stockholm steht dazwischen und doch klar auf der Seite der Ostsee, nicht auf der Seite des Erzes.

Schweden auf einen Blick

Hauptstadt

Stockholm

Fläche

450 295 km²

Einwohner

10,6 Millionen

Amtssprache(n)

Schwedisch

Währung

Schwedische Krone

Kontinent

Europa

Besonderheit

Ostseehauptstadt, die einen langen und dünn besiedelten Norden mitregiert

Stockholm ist ein Archipel, kein Mittelpunkt

Die Stadt steht dort, wo der Mälarsee in die Ostsee ausläuft, auf Inseln und zwischen Schären. Das Parlament, die Regierung und die Altstadt teilen sich dieses Wasser mit Fähren, Werften und Villenvororten, die selbst wieder Inseln sind. Stockholm wurde reich als Handelsstadt der Hansezeit und später als Sitz eines Reichs, das über die Ostsee griff. Die Hauptstadt schaut nach Osten und nach Süden, auf Schifffahrt und auf den dicht besiedelten Mälartal. Sie schaut nicht von Natur aus nach Kiruna.

Schwedisch, wie es das Språklag festschreibt, ist die Sprache dieser Hauptstadt und des größten Teils des Landes. Finnisch, Meänkieli und die samischen Sprachen sind anerkannte Minderheitensprachen, keine Dialekte, die man höflich duldet. Sie erinnern daran, dass der Osten und der Norden andere Sprachgeschichten haben als das Standardschwedische der Behörden. Die Krone vereinheitlicht den Markt von Malmö bis zur finnischen Grenze. Sie vereinheitlicht nicht die Aussicht aus einem Fenster in Gamla Stan mit der Aussicht auf eine Winterstraße in Norrbotten.

Der Süden hält die Menschen

Südlich von Stockholm und um die großen Seen liegt das Schweden, das die meisten Besucher für das ganze Land halten: Äcker, Industrieorte, die Universitätsstädte Uppsala und Lund, Malmö am Öresund mit Blick nach Kopenhagen. Göteborg ist der Hafen zur Nordsee, der Ausweg, wenn die Ostsee politisch oder eisig eng wird. Hier sitzen Werften, Autofabriken, Verwaltungen und der größte Teil der Wähler. Der Staat, der in Stockholm Gesetze macht, tut das vor einem Publikum, das überwiegend nicht in Norrland wohnt.

Diese südliche Dichte erklärt, warum Schweden sich oft als kompaktes Wohlfahrtsland erzählt. Die Fläche widerspricht. Zwischen dem Mälartal und der finnisch-norwegischen Ecke im Norden liegen Tagesreisen, andere Dialekte und eine andere Wirtschaft. Der Süden kann die Hauptstadt nähren und die Mehrheiten stellen. Er kann den Norden nicht in eine Vorstadt verwandeln. Die Länge des Landes ist der Widerspruch zur Bequemlichkeit Stockholms.

Norrland, Erz und samisches Land

Norrland ist der große Norden: Nadelwald, Flüsse, die nach Osten in die Ostsee laufen, und im Gebirge die Grenze zu Norwegen. Kiruna und die Erzlager von Norrbotten haben den schwedischen Norden industriell gemacht, ohne ihn südlich zu machen. Wasserkraft an den großen Flüssen liefert Energie, die im Süden verbraucht wird. Der Norden produziert also Stoffe und Strom für einen Staat, dessen Wähler woanders sitzen. Das ist keine Idylle und kein leeres Hinterland. Es ist eine Ressourcenkammer mit eigenen Städten und einer langen Beschwerde darüber, dass Stockholm nimmt und anordnet.

Sápmi, das samische Gebiet, schneidet durch diesen Norden und hört nicht an der schwedischen Grenze auf. Es reicht nach Norwegen und Finnland. Rentierhaltung, Sprachen und Rechte an Land kollidieren mit Bergbau, Forst und Windkraft, also mit genau den Nutzungen, die den Norden für den Süden wertvoll machen. Das Språklag und das Minderheitengesetz erkennen an, dass Samisch nicht ein Farbtupfer der Folklore ist. Sie verlegen die Hauptstadt nicht nach Jokkmokk. Schweden bleibt ein Ostseestaat, der seinen langen Norden von Stockholm aus mitregiert, und ein Norden, der diese Hauptstadt als fern empfindet, auch wenn sie im selben Reich liegt.

Stockholm regiert den Norden. Es lebt nicht in ihm. Diese Differenz ist die Form Schwedens.

— TerraTally · Länder-Desk

Schweden ist eine Ostseemacht der Hauptstadt und ein Nordland der Fläche. Stockholm, die Krone und das Schwedische halten den Süden zusammen und reichen formal bis zur finnischen und norwegischen Grenze. Norrland und Sápmi erinnern daran, dass Länge hier keine Metapher ist. Sie ist die Strecke zwischen dem Schärengarten und dem Erz.