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Rubrik · Länder

Osttimor ist der östliche Teil einer Insel, deren Westen indonesisch ist

Die Grenze läuft über die Insel Timor. Amtssprachen sind Portugiesisch und Tetum. Die Hauptstadt Dili liegt an der Nordküste.

Die Insel Timor hat eine Grenze, die mitten durch sie läuft. Der Westen gehört zu Indonesien. Der Osten ist Osttimor, ein eigener Staat mit der Hauptstadt Dili. Diese Teilung ist keine naturgegebene Naht. Sie ist das, was von portugiesischer Kolonie, indonesischer Besatzung und einer Unabhängigkeit übrig ist, die 2002 wiederhergestellt wurde.

Osttimor liegt am östlichen Ende der Kleinen Sundainseln. Das Innere ist gebirgig, die Hauptstadt Dili sitzt an der Nordküste, dem Meer zugewandt, das Indonesien von Australien trennt. Zum Staat gehören auch die Insel Atauro nördlich von Dili und die Exklave Oecusse an der Nordküste Westtimors, umschlossen von indonesischem Gebiet. Der einzige Landnachbar ist Indonesien. Auf 14 874 Quadratkilometern leben 1 418 517 Menschen. Der Staat ist klein. Seine Grenze ist trotzdem eine der deutlichsten in der Region, weil sie eine Insel teilt, die sonst ein zusammenhängendes Gebirge wäre.

Osttimor auf einen Blick

Hauptstadt

Dili

Fläche

14 874 km²

Einwohner

1,4 Millionen

Amtssprache(n)

Portugiesisch, Tetum

Währung

US-Dollar

Kontinent

Asien

Besonderheit

Östlicher Teil einer geteilten Insel

Eine Insel, zwei Staaten

Westtimor ist eine Region Indonesiens. Osttimor ist die Demokratische Republik, die 2002 ihre Unabhängigkeit wiederherstellte. Dazwischen liegt keine Meerenge, sondern eine Landgrenze über Bergrücken und Täler. Wer von Dili nach Westen fährt, kommt an einen Staat, der dieselbe Insel bewohnt und eine andere Hauptstadt hat, Jakarta, weit entfernt. Die Geographie lädt dazu ein, Timor als eine Einheit zu sehen. Die Politik hat das im Osten abgelehnt.

Oecusse macht die Teilung noch schärfer. Die Exklave liegt an der Nordküste, umgeben von indonesischem Westtimor, ein portugiesisches Erbe, das nicht an das östliche Hauptgebiet grenzt. Atauro liegt als Insel vor Dili. Der Staat besteht also nicht aus einem sauberen östlichen Block. Er besteht aus dem Ostteil, einer eingeschlossenen Küstenenklave und einer Insel davor. Indonesien ist der Nachbar auf dem Land und zugleich der Rahmen um Oecusse. Jede Straße von der Exklave in die Hauptstadt führt durch das andere Land oder über das Meer.

Portugiesisch und Tetum

Die Verfassung nennt Portugiesisch und Tetum als Amtssprachen. Tetum ist die austronesische Sprache der Insel, die sich mit dem Portugiesischen der Kolonie verbunden hat. Indonesisch und Englisch sind nach Artikel 159 Arbeitssprachen, solange das nötig bleibt. Das ist die Sprachkarte der Geschichte: die Kolonialsprache, die Sprache der Menschen, die Sprache der Besatzung, die Sprache der internationalen Verwaltung. Amtlich sind nur die ersten beiden. Gerade dadurch sagt der Staat, dass er keine indonesische Provinz geblieben ist.

Ab Dezember 1975 besetzte Indonesien das Gebiet, nachdem die portugiesische Herrschaft zusammengebrochen war. Die Vereinten Nationen erkannten die Eingliederung nicht als rechtmäßig an. Am 30. August 1999 entschied eine Volksbefragung unter UN-Aufsicht über die Unabhängigkeit. Die Übergangsverwaltung UNTAET folgte aus der Resolution 1272 des Sicherheitsrats. Am 20. Mai 2002 wurde die Unabhängigkeit wiederhergestellt. Die Jahreszahlen sind die politische Biographie der Grenze. Ohne sie wäre der Osten Westtimors nur eine Provinz mit einem anderen Dialekt.

Die Insel ist geteilt. Die Amtssprachen erinnern daran, warum.

— TerraTally · Länder-Desk

Dili und der Dollar

Dili ist eine Küstenstadt an einer gebirgigen Insel, nicht eine Metropole, die das Hinterland aufsaugt, weil es keines in der Ebene gäbe. Die Straßen ins Innere steigen. Die Exklave ist anders zu erreichen als ein Vorort. Die Hauptstadt regiert ein kleines Staatsgebiet mit einer komplizierten Form. 1 418 517 Einwohner auf 14 874 Quadratkilometern: das ist ein überschaubarer Staat, dessen Schwierigkeit nicht die Masse ist, sondern die Grenze und die Erinnerung an die Besatzung.

Die Währung ist der US-Dollar, nicht eine eigene Krone und nicht die indonesische Rupiah. Die Zentralbank des Landes, der Banco Central de Timor-Leste, arbeitet mit diesem Dollar. Das ist das Erbe der Übergangsverwaltung und eine politische Entscheidung, die Währung des Besatzers nicht zur Währung des neuen Staates zu machen. Portugiesisch, Tetum und der Dollar ergeben zusammen ein seltsames Bündel. Es ist genau das Bündel eines Staates, der seine Unabhängigkeit gegen die Inselmitte durchgesetzt hat und sich danach Währung und Sprache von außen und von der eigenen Küste lieh.

Osttimor ist der östliche Teil einer geteilten Insel, samt einer Exklave und einer Insel davor, mit zwei Amtssprachen, die keine indonesischen sind. Dili regiert diesen Rest. Die Grenze auf dem Bergrücken ist der Satz, den die Karte nicht vergisst.