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Rubrik · Länder

Liechtenstein bleibt souverän, indem es die Schweiz benutzt

Franken und Zoll kommen aus der Schweiz. Der Binnenmarkt kommt aus dem Wirtschaftsraum. Der Fürst bleibt im Land.

Liechtenstein ist ein souveräner Staat im Alpenrheintal, der seine Unabhängigkeit nicht gegen die Schweiz behauptet, sondern mit ihr organisiert. Franken und Zoll kommen von nebenan. Der eigene Wille sitzt in Vaduz, bei Landtag und Fürst.

160 Quadratkilometer und 41 024 Einwohner lassen sich an einem Nachmittag durchqueren, und doch ist das Land kein Landkreis der Nachbarn. Im Westen bildet der Rhein die Grenze zur Schweiz, im Osten steigen die Berge nach Österreich. Die Menschen wohnen im Tal. Vaduz ist Hauptstadt und Regierungssitz, Schaan daneben ist bevölkerungsreicher. Deutsch ist Amtssprache. Im Alltag hört man alemannische Mundart, im Gesetzbuch Hochdeutsch. Die Größe erklärt die Abhängigkeit nicht. Sie erklärt nur, warum ein eigener Staat hier nur funktioniert, wenn er sich Nachbarschaft aussucht.

Liechtenstein auf einen Blick

Hauptstadt

Vaduz

Fläche

160 km²

Einwohner

41 024

Amtssprache(n)

Deutsch

Währung

Schweizer Franken

Kontinent

Europa

Besonderheit

Franken und Zoll der Schweiz, eigener Fürst

Der Rhein ist Grenze und Tür

Der Rhein trägt die westliche Grenze und zugleich den Alltag. Brücken führen in ein Wirtschaftsgebiet, das dichter ist als das Tal von Vaduz. Ein Teil der Einwohner arbeitet jenseits des Flusses. Die Hauptstadt bleibt klein, weil das größere Leben nicht in ihr stattfinden muss. Über Vaduz steht das Schloss des Fürsten. Darunter liegen Regierung und Landtag. Das Bild ist höfisch. Die Geographie ist eine Talgemeinde an einem fremden Arbeitsmarkt.

Österreich ist der andere Nachbar, bergauf, nicht über den Strom. Historisch kam die fürstliche Herrschaft aus diesem Raum, und die Dynastie ist älter als der moderne Kleinstaat. Heute ist Wien nicht die Kasse und nicht der Zoll. Die praktische Anlehnung geht nach Westen, über den Rhein. Das Land liegt zwischen zwei Staaten, die beide auf Neutralität bauen, Österreich in der Europäischen Union, die Schweiz außerhalb. Liechtenstein muss sich in dieser Lücke selbst einen Platz zurechtschneiden.

Franken ja, Kopie nein

Der Schweizer Franken ist gesetzliches Zahlungsmittel, gestützt auf einen Währungsvertrag mit der Eidgenossenschaft. Ein Zollvertrag legt das Fürstentum in das schweizerische Zollgebiet. Waren, die in der Schweiz frei sind, sind es hier in der Regel auch. Post, vieles an technischer Norm und der wirtschaftliche Alltag laufen über diese Schiene. Wer nur das ansieht, hält Liechtenstein für einen Kanton ohne Stimmrecht in Bern. Das wäre der falsche Schluss.

Die Schweiz ist nicht Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums. Liechtenstein ist es. Der Binnenmarkt gilt also in Vaduz, während Bern ihn abgelehnt hat und seine Beziehungen zu Brüssel bilateral ordnet. Dieselbe Grenze, die den Franken herüberlässt, trennt zwei Europapolitiken. Dazu kommt ein eigener Landtag, ein eigenes Gericht, eine eigene Regierung. Und es gibt kein stehendes Heer. Zwischen zwei neutralen Nachbarn hat das Fürstentum die Armee abgeschafft und setzt auf Diplomatie und Polizei. Souveränität ist hier ein Bündel von Verträgen, nicht eine Mauer.

Souveränität heißt hier, die Nachbarschaft zu wählen, nicht sie zu leugnen.

— TerraTally · Länder-Desk

Der Fürst ist keine Briefmarke

Viele Kleinstaaten haben ein Staatsoberhaupt für Zeremonie. In Liechtenstein verlangt die Verfassung die Sanktion des Fürsten, damit ein Beschluss des Landtags Gesetz wird. Der Fürst ist Teil des Gesetzgebungswegs, nicht die Figur über dem Portal. Eine spätere Revision hat diese Stellung bekräftigt, statt sie auf ein Winken zu reduzieren. Man kann das monarchisch finden oder unbequem. Für die Geographie des Staates zählt etwas anderes: Die Anlehnung an die Schweiz hat die eigene Verfassung nicht ersetzt.

Deshalb ist die richtige Beschreibung weder Schweizer Kanton noch Museenfürstentum. Es ist ein Talstaat, der Zoll und Geld ausleiht, den Binnenmarkt anders entscheidet als Bern, und die letzte Unterschrift unter dem Gesetz in der eigenen Dynastie lässt. 41 024 Menschen brauchen dafür keine Großmacht. Sie brauchen klare Verträge und einen Nachbarn, der den Franken stabil hält. Die Berge nach Österreich bleiben die andere Flanke. Der Rhein bleibt die Tür, durch die der Staat täglich geht, ohne aufzuhören, einer zu sein.

Liechtenstein ist klein genug, um von der Schweiz gehalten zu werden, und eigenwillig genug, ihr nicht zu folgen. Vaduz regiert ein Tal. Die Verträge regieren den Rest.