Aserbaidschan ist eine Republik am Kaspischen Meer, deren Gebiet nicht aus einem Stück besteht. Das Öl erklärt die Hauptstadt. Die Lücke in der Karte erklärt, warum der Staat so gebaut ist.
Baku liegt auf der Halbinsel Abscheron, dort, wo das Meer an die letzten Ausläufer des Kaukasus reicht. Im Staat leben 10 246 996 Menschen auf 86 600 Quadratkilometern. Das klingt nach einem kompakten Land. Es ist keines. Zum Staatsgebiet gehört Nachitschewan, eine autonome Republik, die vom Kernland durch armenisches Territorium getrennt ist. Wer die Grenze nur um Baku zieht, lässt einen Teil des Staates weg.
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Aserbaidschan auf einen Blick
Hauptstadt
Baku
Fläche
86 600 km²
Einwohner
10,2 Millionen
Amtssprache(n)
Aserbaidschanisch
Währung
Manat
Kontinent
Asien
Besonderheit
Erdölrepublik mit dem abgetrennten Landesteil Nachitschewan
Baku steht auf dem Öl
Die moderne Stadt ist aus Bohrstellen gewachsen. Erdöl und Erdgas vom Land und aus dem kaspischen Schelf finanzieren den Staat und sein Selbstbild. Von Baku aus führt eine Pipeline über Georgien an die türkische Mittelmeerküste bei Ceyhan. Das Öl muss dafür nicht durch Russland und nicht durch Iran. Die Route ist Geographie als Außenpolitik: ein Binnenmeer bekommt einen Ausgang ans Mittelmeer, und die Hauptstadt sitzt am Anfang der Leitung.
Abscheron ist schmal, windig und industriell. Die Altstadt ist die historische Schicht. Förderanlagen, Terminals und Hafenbecken sind die Schicht, die den Haushalt trägt. Die Verfassung errichtet eine präsidiale Republik, und diese Macht sitzt in derselben Stadt, nicht in einem fernen Gebirgstal. Baku ist deshalb mehr als eine Hauptstadt am Wasser. Hier fallen Energie und Staat zusammen.
Nachitschewan liegt hinter der Lücke
Nachitschewan hat eine eigene Stadt gleichen Namens und einen eigenen Status in der Verfassung. Es grenzt an Armenien, an den Iran und an die Türkei. Das Kernland grenzt an Russland, Georgien, Armenien und den Iran. Die türkische Landgrenze Aserbaidschans ist die Grenze des abgetrennten Teils, nicht die von Baku. Das bestimmt Straßen, Handel und das Wissen, dass der Staat eine Lücke aushalten muss, die er nicht selbst gefüllt hat.
Bergkarabach liegt im international anerkannten Gebiet Aserbaidschans, im Kernland, nicht in der Exklave. Der Konflikt mit Armenien um diese Region hat Sicherheit, Armee und das Verhältnis zu den Nachbarn über lange Zeit bestimmt. Baku behandelt die Region als eigenes Land. Die Karte der Republik ist deshalb politisch an der Exklave und an einer Grenze zu Armenien, die lange keine gewöhnliche Grenze war.
Das Öl erklärt Baku. Die Lücke in der Karte erklärt den Staat.
— TerraTally · Länder-Desk
Eine Staatssprache zwischen größeren Nachbarn
Amtssprache ist Aserbaidschanisch, eine Turksprache. Sie verbindet das Land sprachlich mit der Türkei und unterscheidet es vom Russischen der Sowjetzeit. Russisch bleibt in der Stadt hörbar. Es ist nicht die Amtssprache. Die Verfassung lässt andere Sprachen zu und setzt trotzdem eine Staatssprache. In Nachitschewan gelten dieselbe Sprache und dieselbe Währung, der Manat der Zentralbank. Der abgetrennte Landesteil ist kein anderer Staat.
Zwischen Russland, Iran, Türkei, Georgien und Armenien ist Aserbaidschan weder ein willenloser Puffer noch ein Imperium. Es ist ein kaspischer Staat, der seinen Weg in die Welt über Pipelines, über den Hafen von Baku und über die türkische Grenze Nachitschewans sucht. Die Fläche sagt wenig, solange man das Gebiet als ein zusammenhängendes Stück liest. Wer die Lücke mitliest, sieht erst den Staat.
Aserbaidschan beginnt in Baku, am Öl und am Meer. Es endet nicht dort. Es endet auch in einer Exklave, die auf der Karte erst sichtbar wird, wenn man die Lücke mitzeichnet.